Liebe Freundinnen und Freunde, 

Ich möchte euch heute zu Beginn mal von unseren Urlaubplänen erzählen: 

Wir wollen diesen Sommer nach Saas Fee in die Schweiz – dort habe ich schon vor 25 Jahren mit meinen Eltern und Geschwistern Urlaub gemacht. 

Das ist ein idyllisches Dorf auf 1800 Meter Höhe, wo sich Steinböcke und Murmeltier gute Nacht sagen und die Alpenrose blüht. 

Wo man entspannt die Straße entlanglaufen kann – warum – dazu komme ich später nochmal – und wo man einen wunderbaren Blick auf die Berge drum herum hat. 

Und da komme ich schon zu einem Wehrmutstropfen. Vom Allalin kommt ein Gletscher. Vor 20 Jahren ging er bis ins Tal, heute ist da nur grauer Fels. Wanderwege werden gesperrt, weil Felsen und Geröll unter dem ehemaligen Gletscher losrollen und Erdrutsche auslösen. Die Wasserversorgung vor Ort wird immer mehr ein Thema. Denn das größte Reservoir schmilzt gerade weg.

Der Klimawandel ist konkret und er gefährdet unsere Lebengrundlagen, unsere Umwelt. 

Auch hier spüren wir das – Die letzten beiden Sommer haben alle Hitze-Rekorde gebrochen. Die Wälder bezeugen es noch heute. Es regnet weniger und wenn, dann öfter auch Unwetterartig. Richtige Winter gibt es nicht mehr regelmäßig. 

Wenn wir so weiter machen, wie bisher, wird das nur der Anfang gewesen sein. Wir müssen was tun. Auch hier in Gießen. 

Wir haben beschlossen bis 2035 klimaneutral zu sein. Ich bin froh, dass eine große Mehrheit diesen Beschluss mitgetragen hat – aber ich befürchte, viele Wissen überhaupt nicht was das jetzt bedeutet. Was müssen wir jetzt machen, damit unsere Zukunft besser aussieht? 

Lasst uns dazu gemeinsam eine Bergtour machen. Der Startpunkt ist das jetzt und der Gipfel unser Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden. 

Klar, das ist nicht einfacher Hügel, das ist eher ein 4000 er. Eine richtig anstrengende Tour. Eine Expedition. Wir wollen bevor die Sonne untergeht oben sein. 

Also müssen wir Tempo machen. Jede und jeder weiß, wenn ich am Anfang zu langsam bin, dann klappt es am Ende nicht mit mehr dem Ziel. 

Auch im Klimaschutz ist es so: 
Wir müssen jetzt beginnen, schneller zu werden. Wir sind zwar in der Poleposition in Hessen in Bezug auf den CO2-Ausstoß pro Kopf, aber darauf können wir uns jetzt nicht ausruhen, wenn wir unser Ziel erreichen wollen.

Doch was bedeutet das konkret? 

Wir müssen die Verhaltensweisen stärken, die unseren Anteil am Klimawandel reduzieren. 

Wir müssen den Strom Emissionsfrei erzeugen. Die Energie effizient einsetzen – auch beim Heizen – und unseren Konsum ändern – genauso müssen wir unseren Verkehr revolutionieren. 

Wie das geht – dazu gibt es heute schon viele positive Beispiele – auch hier in der Stadt. Die möchte ich sichtbarer machen und fördern. 

Wie Beispielsweise den Gastronomen, der sein Essen zum Mitnehmen nun in Mehrweggeschirr anbietet, oder die Initiative, die sich darum kümmert, dass Menschen ihr eigenes Gemüse lokal aufziehen können. 

Oder die Friseurin, die ihr Sortiment auf Plastikfrei umstellt oder den Elektrohandwerker, der seine PKW-Flotte elektrisiert. 

Ich bin mir daher sicher, dass ein Mensch, eine Gesellschaft, und ja auch eine moderne Wirtschaft, nicht auf Fossile Brennstoffe angewiesen ist. 

Und ich bin mir sicher, dass wenn wir diese Abhängigkeit beenden, es uns besser gehen wird. 

Schauen wir uns zum Beispiel die Innenstadt an: 

Die Innenstadt erlebt gerade die härteste Zeit nach dem Krieg. Sie steht vor enormen Herausforderungen. Um ihre Vielfalt und das Lebensgefühl zu erhalten, wollen wir dort viel investieren. 

Ich will eine Innenstadt, die auch in Zukunft belebt ist, in der sich Menschen und Familien gerne aufhalten,  mit anderen verabreden und die lokalen Geschäfte davon profitieren.

Damit die Menschen sich dort besser fühlen, gerne Treffen und der Aufenthalt dort zum Erlebnis wird, müssen wir die Infrastruktur ändern und die Verkehrsbereiche fördern, die dazu beitragen, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und gleichzeitig das Klima schonen. Darum setze ich mich für eine autofreie Innenstadt ein. 

Wer in Saas Fee mal im Urlaub war, der beziehungsweise die versteht diese Argumentation sofort. Das ist ein komplettes autofreies Dorf – seit 1951. 

Dort kann man sich entspannt aufhalten und spazieren gehen. Und gerade die inhabergeführten Geschäfte boomen dort enorm.

Und ich bin mir sicher; wenn Rad- und Fußverkehr mehr Platz bekommen, dann erhalten wir eine Stadt, in der sich jede und jederr sicher fühlen und fortbewegen kann. Wo die Luft sauber und der Lärm niedrig ist. 

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Wo unsere Kinder wieder an der Straße spielen können. Wo man keine Angst um sie haben muss, wenn man sich mit Ihnen auf die Räder schwingt. 

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Ich will auch, dass wir mehr Platz schaffen für noch mehr Grün in unserer Stadt. Die untere Grünberger Straße sähe zum Beispiel viel schöner aus, wenn dort Bäume und Buchten zum Verweilen wären – Es sieht aber nicht nur schöner aus, es hilft auch noch doppelt beim Klimawandel, es wird so nicht mehr so warm im Sommer und wir lassen kleine CO2-senken in der Stadt entstehen.

Wenn wir es dann noch schaffen, den Drive in den Stadtwerken zu erhöhen und gemeinsam die Energiewende zu wuppen.  Dann kann ein richtiger Flow entstehen, der uns bis an den Gipfel bringt – dann können wir es schaffen bis 2035 klimaneutral zu sein. 

Dann leben wir in einer Stadt, in der der Einzelhandel floriert, die Wirtschaft von Innovationen profitiert und die Menschen von einer gesunden Umwelt umgeben sind. 

So eine Expedition stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl. Und auch da möchte ich als Oberbürgermeister einen weiteren Schwerpunkt setzen: Auf unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Wir müssen uns auch um die Schwächeren in unserer Gesellschaft kümmern. 

Wenn beispielsweise die Nordstadt nicht so gut am ÖPNV angebunden ist, weil die Busse Richtung Wieseck immer über den Berliner Platz fahren, dann ist das ein Defizit, dass wir angehen müssen. 

Wenn sich einkommensschwächere Menschen keine Dauerkarte für den Bus leisten können, dann müssen wir hier viel stärker unterstützen als zuvor. 

Aber gesellschaftlicher Zusammenhalt ist viel mehr als nur das. Dazu gehört auch, dass wir unsere vielfältige Kulturlandschaft weiter pflegen. 

Genauso wie der Einzelhandel und die Gastronomie war und ist der Kulturbereich hart von den nötigen Einschnitten betroffen. 

Nachdem bereits andere kulturelle Institutionen in Gießen in den letzten Jahren geschlossen haben, ist es jetzt umso wichtiger neue Räume für Kultur zu schaffen. Durch die Einrichtung eines Kulturgewerbehofs können wir Räume in der Innenstadt zur Verfügung stellen. Ich finde, dass darf allerdings nur der Anfang einer Kulturinitiative sein. 

Wir brauchen mehr passende Orte zum gemeinsamen singen, musizieren malen oder einfach mal gemeinsam feiern.

Letztlich möchte ich eine Stadt, die für alle, die hier leben da ist. Unsere Stadt ist Vielfältig und wächst daraus zusammen. 

In den vielen Gesprächen, die ich führe, wird mir immer wieder deutlich: 

Alle haben verschiedene Bedürfnis und doch ein gemeinsames Ziel: 

Das die Zukunft noch besser werden soll. Als sie heute schon ist. 

Dabei ist für mich klar: 

Zukunft ist nicht etwas, was einfach so passiert. 

Nein, wir können sie gestalten, nach unseren Vorstellungen von einer guten Welt, nach unserer Ethik, in der die Stärken jeder einzelnen Person ein gemeinsames Bild ergibt. 

Und das, ist, was mich so motiviert, als Grüner Oberbürgermeister für unsere Stadt zu kandidieren:

Ich will unsere Stadt fit für die Zukunft machen, positiv gestalten und Klimaschutz zur Chefsache machen!  

Nicht Morgen , nicht Übermorgen, jetzt!

Unsere Zukunft entscheidet sich jetzt! 

Und am Ende möchte ich mit euch zusammen die Aussicht vom Gipfel genießen – 2035 – in einer klimaneutralen Stadt Gießen!     –  – – 

Darum bitte ich euch heute um euer Vertrauen. 

Vielen Dank! 

Bewerbungsrede Oberbürgermeisterkandidatur
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