Seit dem 26. September 2019 hat die Stadt Gießen das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu sein. Das ist sehr ehrgeizig. Jetzt stellt sich vielen die Frage: Was müssen wir machen, damit wir bis 2035 klimaneutral sind? Letztlich ist die Antwort relativ einfach, wenn auch schwer in der Umsetzung: Unser Leben und unsere Wirtschaft dürfen nicht mehr auf fossilen Energien basieren.

Den Wandel hin zu erneuerbaren Energien können wir als Stadt nur sehr bedingt regulieren, allerdings stark beeinflussen! Wir Grüne haben uns dazu Gedanken gemacht, was die Stadt realisieren kann und unsere Vorstellungen in einem Eckpunktepapier formuliert. Dabei sind wir nicht auf die vielen positiven Maßnahmen eingegangen, die die Stadt schon durchgeführt hat. Denn klar ist: Es ist schon viel passiert, aber noch nicht genug. 

Wir sehen im Wesentlichen fünf Handlungsfelder, die auf dem Weg zur Klimaneutralität in unserer Stadt einen Wandel erfahren müssen: Strom, Wärme, Verkehr, Konsum und Verwaltung. Zu diesen Punkten haben wir jeweils Maßnahmen gesammelt, die dabei helfen sollen, dass Gießen bis 2035 klimaneutral wird. Die Vorschläge präsentieren wir im Folgenden kurz: 

  1. Strom: 

Wir möchten, dass sich die Stadtwerke mehr an der Energiewende beteiligen. Zum Beispiel, indem sie mehr Blockheizkraftwerke (BHKW) bauen, die mit regenerativen Energien betrieben werden. BHKW`s sind sehr effizient, da sie Strom sowie Wärme gleichzeitig liefern können. 

Gleichzeitig soll die SWG das Potential von Photovoltaikstrom durch attraktive Angebote voll ausschöpfen, indem sie ihre Kunden unterstützt, sich PV-Anlagen auf ihr Dach zu installieren. Ergänzend möchten wir, dass die Stadtwerke selbst ihren Anteil an selbst produzierten Photovoltaikstrom erhöhen. 

Darüber hinaus wollen wir, dass die Stadtwerke einen echten Ökostromtarif für Kunden anbieten, die regionale Unternehmen unterstützen und ihren CO2-Abdruck reduzieren wollen. 

2. Wärme 

Wir wollen die Fernwärme weiter fördern und ausbauen, da sie eine sehr hohe Energieeffizienz hat. Anderen, klimaneutralen und effizienten Heizungsmethoden stehen wir offen gegenüber. Neben einer effizienten Heizung muss das Haus allerdings auch gut gedämmt sein. Um als gutes Beispiel voran zu gehen, wollen wir, dass auch weiterhin der eigene Immobilienbestand der Stadt energetisch saniert wird. Dazu zählen wir auch Gebäude von stadt-eigenen Unternehmen, wie beispielsweise der Wohnbau. 

Zudem möchten wir, dass private Haus-Eigentümer und Eigentümerinnen durch die Stadt oder einen ihrer Partner Beratungen für energetische Sanierungen bekommen können, um mögliche Förderungen zu erhalten. Wir versprechen uns durch diese Maßnahmen nicht nur eine bessere Klimabilanz, sondern auch eine Stärkung des Handwerks vor Ort. 

Wir wollen es auch unterstützen, wenn Menschen aus ihrer zu großen Wohnung in eine kleinere umziehen wollen. Denn je weniger Wohnraum pro Kopf gebraucht wird, umso geringer der Verbrauch für die Wärmelieferung. Aus diesem Grund muss die Stadt, unserer Meinung nach, den Bau kleinerer Wohneinheiten vorgeben und fördern.

3. Verkehr

Auch hier ist unser Ziel klar: Verkehr muss vermieden, verändert und nicht mit fossiler Energie betrieben werden. Das bedeutet wir brauchen innerhalb der Stadt eine klare Vorfahrt und mehr Platz für Fußgänger, Radverkehr sowie ÖPNV. Darum wollen wir unter anderem die zweite Spur auf dem Anlagenring nur für den Radverkehr bereithalten und die Radwegeverbindungen in das Umland ausbauen. Zudem wollen wir den Takt des Stadtbusverkehrs verdoppeln und eine Regio-S-Bahn, die die regionale Schienenverkehrsverbindung in das Umland mit städtischen Haltepunkten verstärkt. Außerdem setzen wir uns für eine autofreie Innenstadt (innerhalb des Anlagenrings) ein.

Für elektrische PKW wollen wir die Ladeinfrastruktur ausbauen. 

4. Privater Konsum

Auch wenn immerhin 30% des durchschnittlichen CO2-pro-Kopf-Verbrauchs auf das Konto des privaten Konsums gehen, so hat die Stadt auf individuelle Lebensgewohnheiten wenig Einfluss. Wir können nur dafür werben, bewusster zu essen und zu konsumieren. Dazu können wir uns gut Informations- und Werbekampagnen für 

           fleischarme, vegetarische oder vegane Ernährung

           Gebraucht- und Recyclingbörsen für Kleidung, Möbel etc.

vorstellen.

Außerdem wollen wir weiterhin Initiativen unterstützen, die sich für ein nachhaltigeres Miteinander einsetzen, wie beispielsweise im Bereich „Urban Gardening“

5. Verwaltung 

Wie eingangs angedeutet, sind wir der Meinung, dass die Stadt Gießen und ihre Verwaltung sich ihrer Verantwortung für den Klimaschutz bewusst ist und sich täglich engagiert, dabei zu helfen, die Treibhausgase zu reduzieren. 

Beispielsweise

  • werden die Schulgebäude energetisch nach und nach im überdurchschnittlichen Rahmen saniert.
  • wurde ein Energiemanagementsystem für alle Liegenschaften der Stadt Gießen entwickelt, dass zu spürbaren Energieeinsparungen geführt hat. So konnte der Gesamtstromverbrauch der Stadtverwaltung reduziert werden, obwohl die Ausstattung der Gebäude und die Nutzungszeiten deutlich zugenommen haben.
  • wird den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung ein attraktives und sehr günstiges Jobticket zur Nutzung des ÖPNV im gesamten RMV-Gebiet angeboten.
  • werden Aktionen, wie das „Stadtradeln“ initiiert, um unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen zu motivieren, mit dem Fahrrad zu fahren.

Die Stadt Gießen hat auch immer eine Vorbildfunktion. Um also unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen zu zeigen, dass es gut möglich ist, CO2-Neutral zu arbeiten, wollen wir, dass die Stadtverwaltung spätestens bis 2030 klimaneutral arbeitet.

Doch was bringen die Ideen, wenn sie nicht diskutiert werden? 

Es gibt nicht nur von uns, sondern auch von vielen Initiativen, die auch den Bürgerantrag zu „2035Null“ mit vorangebracht haben, einige Vorschläge und Ideen. Wir möchten, dass wir in einem offenen Diskussionsprozess in der Stadtgesellschaft gemeinsame Lösungen finden. 

Was versprechen wir uns davon? 

Die Wissenschaft ist sich in dem Punkt sehr einig: Die Klimakrise ist real. 

Dabei ist jede und jeder gefragt, diese Krise abzuwenden. Wir als Stadtgrüne wollen uns der Verantwortung stellen und weiterhin daran arbeiten, das Klima in unserer Stadt zu verbessern. Außerdem sind wir fest überzeugt, dass unsere vorgeschlagenen Maßnahmen zu einer besseren Aufenthaltsqualität in unserer Stadt führt und das schließlich auch unserer Wirtschaft vor Ort zugutekommt. 

Man stelle sich nur vor, was passieren könnte, wenn sich das Straßenbild völlig wandelt:

Statt lauten Autos und schlechter Luft gibt es jetzt maximal Fahrradklingeln und ein buntes Treiben zur Rushhour. Die Wege sind viel kürzer geworden. Daher muss man sich auch nicht mehr so schnell fortbewegen. 

Da Fahrräder und Fußgänger weniger Platz benötigen als Autos, ist der freigewordene Straßenraum nun reich an Pflanzen, Spielbereichen, Cafés und Plätzen, die zum Verweilen einladen. Die Aufenthaltsqualität ist spürbar gestiegen. Besonders Kinder, Alte und Menschen mit Behinderung fühlen sich sicherer. Wer nicht Fahrrad fährt, nutzt den elektrisierten und deutlich ausgebauten ÖPNV, der nun viel flüssiger durch die Stadt kommt und die Menschen pünktlich zu ihren Terminen bringt. Die Stadt Gießen wäre viel Grüner und niemand käme mehr auf die Idee über ihr wunderschönes Grau zu sinnieren. 

Für diese Vision setzen wir uns sehr gerne ein und glauben, dass wir mit den vorgestellten Maßnahmen die ersten Schritte in diese Richtung gehen können. 

Wie wir bis 2035 in Gießen klimaneutral leben wollen

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